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Blood Flow Restriction Training: Was und für wen ist es, Studien und Praxistipps

By 17. Juli 2024No Comments

Blood Flow Restriction Training (BFR), auch bekannt als Okklusionstraining, hat in den letzten Jahren erhebliches Interesse in der Fitness- und Rehabilitationsgemeinschaft geweckt. Diese Methode ermöglicht es, Muskelmasse und Kraft mit signifikant geringeren Gewichten zu steigern als beim traditionellen Krafttraining. In diesem ausführlichen Artikel beleuchten wir, was BFR genau ist, für wen es geeignet ist, welche wissenschaftlichen Studien es dazu gibt und wie es in der Praxis angewendet werden kann.

 

Was ist Blood Flow Restriction Training?

 

Beim BFR-Training wird der Blutfluss in den zu trainierenden Muskeln durch spezielle Bandagen oder Manschetten teilweise eingeschränkt. Diese Bandagen werden so angelegt, dass sie die Venen, die das Blut aus dem Muskel herausführen, komprimieren, während die Arterien, die das Blut in den Muskel hineinführen, weitgehend ungehindert bleiben. Diese partielle Blutzufuhr führt zu einer erhöhten Ansammlung von Blut im Muskel, was eine schnelle Muskelermüdung und einen starken Wachstumsreiz auslöst.

 

Wissenschaftliche Studien und ihre Ergebnisse

 

  1. Muskelwachstum mit niedrigen Gewichten: Eine bemerkenswerte Studie hat gezeigt, dass bereits 20% des One-Rep-Maximum (1RM) ausreichen, um die Muskulatur ähnlich effektiv aufzubauen wie mit hohen Gewichten unter normalen Bedingungen. Dieser Effekt ist auf die hypoxische Umgebung (Sauerstoffmangel) im Muskel, der durch die Bluteinschränkung entsteht. 

 

  1. Effekte bei Untrainierten: In einer anderen Studie wurde gezeigt, dass untrainierte Personen durch simples Gehen mit BFR-Bandagen um die Oberschenkel Muskelmasse aufbauen konnten. Dies zeigt, dass BFR nicht nur für hochintensives Training, sondern auch für moderate Aktivitäten vorteilhaft sein kann.

 

  1. Erhaltung von Muskelmasse und Kraft: BFR wird häufig in der Rehabilitation eingesetzt, insbesondere nach Operationen oder Verletzungen, um Muskelmasse und Kraft zu erhalten. Studien haben gezeigt, dass BFR im Ruhezustand die Muskelatrophie verhindern kann. Dies ist besonders wertvoll für Patienten, die vorübergehend immobilisiert sind.

 

  1. Enzymatische Reaktionen: Eine Studie hat festgestellt, dass das Lösen der BFR-Bandagen ein Enzym namens tPA (tissue Plasminogen Activator) freisetzt, welches Blutgerinnsel auflöst. Dies könnte potenziell das Risiko von Thrombosen reduzieren, was ein weiterer gesundheitlicher Vorteil von BFR-Training ist.

 

Für wen ist BFR geeignet?

 

BFR-Training ist besonders geeignet für:

– Rehabilitation nach Verletzungen: Personen, die aufgrund von Verletzungen keine hohen Gewichte heben können, profitieren von BFR, da es eine schonende Trainingsmethode ist.

– Personen mit eingeschränktem Zugang zu schweren Gewichten: Menschen, die zuhause trainieren oder keinen Zugang zu umfangreichem Equipment haben, können dennoch effektiv Krafttraining betreiben.

– Schonung von Gelenken und Zentralnervensystem: Da beim BFR-Training geringere Gewichte verwendet werden, ist die Belastung auf Gelenke und das Zentralnervensystem geringer, was es zu einer sicheren Methode für ältere Menschen oder Personen mit Gelenkproblemen macht.

 

Wie funktioniert BFR in der Praxis?

 

Beispiel Beine:

  1. Kniebandagen um die Oberschenkel binden, wobei der Druck etwa 70% des maximal möglichen Drucks betragen sollte.
  2. Führe 15 Wiederholungen mit 50% des 1RM im ersten Satz aus.
  3. Danach folgen drei Sätze bis zum Muskelversagen, mit jeweils einer Minute Pause dazwischen.

 

Beispiel Arme:

  1. Binde um den Oberarm legen und auf etwa 70% des maximal möglichen Drucks einstellen.
  2. Führe 15 Wiederholungen mit 50% des 1RM im ersten Satz aus.
  3. Danach folgen drei Sätze bis zum Muskelversagen, mit jeweils einer Minute Pause dazwischen.

 

Sicherheitsaspekte

 

Richtig angewendet, ist BFR nicht gefährlich. Der Druck der Bandagen sollte so eingestellt sein, dass er spürbar, aber nicht schmerzhaft ist. Ein zu hoher Druck wäre automatisch so schmerzhaft, dass er nicht lange ausgehalten werden könnte. Zudem fördert das Lösen der Bandagen die Freisetzung von tPA, einem Enzym, das Blutgerinnsel auflöst, was das Risiko von Thrombosen minimiert.

 

Ergänzende Tipps zur Anwendung

 

– Kontrolle des Drucks: Es gibt spezielle BFR-Manschetten, die den Druck genau messen und einstellen können. Dies gewährleistet eine sichere und effektive Anwendung.

– Überwachung der Reaktionen: Achte während des Trainings auf Anzeichen von Taubheit oder extremen Schmerzen. Diese sind Indikatoren für zu hohen Druck und sollten sofort korrigiert werden.

– Konsultation eines Fachmanns: Vor allem Personen mit bestehenden gesundheitlichen Problemen sollten vor der Anwendung von BFR einen Arzt oder Physiotherapeuten konsultieren.

 

Fazit

 

Blood Flow Restriction Training ist eine effektive Methode, um mit weniger Gewicht Muskelmasse und Kraft zu steigern. Es ist besonders nützlich für Personen, die aufgrund von Verletzungen oder fehlendem Equipment nicht schwer trainieren können. Obwohl es kein Ersatz für traditionelles Krafttraining ist, bietet es eine wertvolle Ergänzung und ist besonders als Rehabilitationsmethode sehr gut geeignet. Zudem sorgt der extreme „Pump“, der durch die Methode entsteht, für zusätzlichen Spaß und Motivation beim Training.

 

Weiterführende Studien

 

– Fry et al. (2010): „Low-load resistance training with blood flow restriction induces muscle hypertrophy in a clinical setting.“

– Takarada et al. (2004): „Effects of blood flow restricted low-intensity concentric or eccentric training on muscle size and strength.“

– Nakajima et al. (2006): „The effects of blood flow restriction training on muscle atrophy in a clinical setting.“